Museum der Zukunft

Mo, 08/12/2019 - 17:56 -- Patrick Meiss

Heike Leitschuh zu Gast im Museum der Zukunft

Am Montag, 09. März 2020 war die Autorin Heike Leitschuh für eine Lesung im Museum der Zukunft zu Gast

Ein Bericht von Andreas Hußendörfer

Rücksichtslose Verkehrsteilnehmer sind nichts neues. Jede Autofahrerin und jeder Fahrer kennt das. Auf der Autobahn wird gedrängelt, der Parkplatz für Menschen mit besonderen Bedürfnissen zugeparkt, selbst kurze Wartezeiten führen zu Wutausbrüchen – das eigene Ego hat immer Vorfahrt. Neu ist das Ausmaß der Ego-Welle. Rettungskräfte gelangen nicht mehr zum Unfallort, weil Gaffer den Weg versperren. Krankenhäuser sind überlastet, weil geringfügige Symptome zum Anlass genommen werden, um die Notaufnahme aufzusuchen. Und nicht zuletzt klagen Erzieherinnen* und Erzieher über respektloses, und nicht selten gewalttätiges, Verhalten an Schulen. Einsicht der Eltern: Fehlanzeige.

Heike Leitschuh kennt das Problem. In ihrem Buch „Ich zuerst! – Eine Gesellschaft auf dem Ego-Trip“, das sie im Museum der Zukunft vorstellt, geht es um genau dieses Phänomen. Immer mehr Menschen scheinen der Meinung zu sein, sich mit ausgefahrenen Ellenbogen zu ihrem Recht verhelfen zu müssen. Während sie erzählt, nicken viele Gäste und bestätigen ihre Beobachtungen. Fast jeder kann Beispiele nennen. Von Trump über Nahverkehrserfahrungen bis hin zur eigenen Lebenssituation. Für Heike Leitschuh passt das ins Bild. Für ihr Buch hat sie mit Schulleiterinnen und Rettungssanitätern, mit Bahnmitarbeiterinnen und Profisportlern gesprochen. Alle bestätigen eine klare Tendenz. Die Gesellschaft wird immer egoistischer.

Viele seien verunsichert, sagt Heike Leitschuh. Der ständige Druck zur Selbstoptimierung, befeuert durch soziale Medien, sorge nicht selten für Überforderung. „Alles unter einen Hut zu bringen wird für unsere Gesellschaft immer schwieriger. Die Mischung aus Stress, Überforderung und Unsicherheit wirkt toxisch.“ Als Wurzel dieses Übels macht Heike Leitschuh das neoliberale Wirtschaftssystem aus. Mit Globalisierung und weltweitem Wettbewerb wachse die Unsicherheit bei den Menschen. Viele würden sich deshalb eigene Gewissheiten schaffen. Die natürlichen Grautöne, die ganz normale Ambivalenz gesellschaftlicher Komplexität findet dort keinen Platz mehr.

Und die Lösung? Für einen gesellschaftlichen Wandel hin zu mehr Solidarität und Miteinander brauche es neue Vorbilder. Politikerinnen und Politiker, Unternehmensführende, aber auch Eltern sollten ein respektvolles Verhalten vorleben. Wer die Schwächeren unserer Gesellschaft als Schuldige sieht und ausgrenzt, würde nur politisch rechten Parteien in die Hände spielen. Auch eine Lebensweise, die größeren Wert auf Regionalität, faire Bedingungen und ökologische Erzeugung legt, sei wichtig. Heike Leitschuh bleibt bei allem Verdruss optimistisch. „Ich glaube an das Gute im Menschen!“, sagt sie. Wo ein Trend ist, da ist auch ein Gegentrend. Wir alle können bewusst auf unser Verhalten achten, wertschätzend und tolerant sein. Lächeln Sie doch beim nächsten Mal die Verkäufer an der Kasse freundlich an. Veränderung beginnt schließlich auch im Kleinen.

*In diesem Artikel wurde bewusst die weibliche und männliche Form abwechselnd verwendet.

 

Heike Leitschuh im Museum der Zukunft (Foto: Andreas Hußendörfer)


Museum der Zukunft in Lüneburg

Das Museum der Zukunft (Papenstraße 15, 21335 Lüneburg) ist ein Treffpunkt, an dem sich (unter der Trägerschaft des Hamburger Umweltinstitut e.V.) Studierende und Wissenschaftler*innen, Politiker*innen, Mitglieder von Verbänden, Vereinen, Initiativen sowie Nachbarn und Interessierte der Region Lüneburg begegnen, um hier ein Forschungs- und Entwicklungslabor für innovative Technologien für eine zukunftsfähige, langfristige Nutzung aufzubauen.

Das denkmalgeschützte Gebäude in der Papenstraße 15 wurde 1905 von dem Architekten Franz Krüger für die Stadt Lüneburg als Vorschule gebaut. Zwischenzeitlich wurde es als Volksschule und anschließend, bis vor wenigen Jahren, als Hort (Nachmittagsbetreuung von Schulkindern) der Stadt Lüneburg genutzt.

Am Samstag, 13. April 2019 wurde das Museum der Zukunft an einem Tag der offenen Tür erstmals der Öffentlichkeit präsentiert. Mehr dazu finden Sie in diesem Video: Tag der offenen Tür

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