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Do, 09/20/2012 - 11:40 -- klm-admin

17.02.2021 Pressemitteilung: Hamburger Umweltinstitut fordert Ein Neues Bio

Stellungnahme des Hamburger Umweltinstituts anlässlich der BIOFACH in Nürnberg vom 17. - 19.02.2021 als weltweite Leitmesse für Bio-Lebensmittel und -kosmetika

Der jetzige Bio-Begriff ist über 100 Jahre alt. Wesentliche Reformen haben nicht stattgefunden. Nach wie vor sind Denkweisen vom Anfang des letzten Jahrhunderts die Grundlage des heutigen Begriffs. Dies hat verheerende Auswirkungen: Weder ein aktiver Schutz der Artenvielfalt noch der Erhalt des Bodens ist mit dem bestehenden Bio möglich. Die dem heutigen Bio zugrundeliegenden Denkweisen romantisieren die Natur und ermöglichen es nicht, eine echte Partnerschaft zwischen Menschen und anderen Lebewesen einzugehen. Selbst die striktesten Bio-Siegel, wie zum Beispiel Demeter, bedeuten den Verlust von bis zu 2 Tonnen Humusboden pro Hektar und Jahr.

Natürlich ist dies kein Vergleich zu sogenannter konventioneller Landwirtschaft, in welcher bis zu 40 Tonnen Boden durch Maisanbau pro Hektar und Jahr verloren gehen können, wie Messungen des Hamburger Umweltinstituts und mehrere andere Untersuchungen, vor allem in den Niederlanden, belegen. Doch auch der jetzige Bio-Begriff hat fundamentale Schwächen. In einer Untersuchung des Hamburger Umweltinstituts, in Verbindung mit der Leuphana-Universität Lüneburg und Studierenden der Universität wird gezeigt, dass der jetzige Bio-Begriff zentrale Lücken aufweist. So dürfen zum Beispiel im Biolandbau Pestizide verwendet werden, die für Umwelt und Gesundheit erhebliche Gefährdungen darstellen. Ein besonders offensichtliches Beispiel dafür ist die Verwendung von Kupferpräparaten im Weinbau und in anderen landwirtschaftlichen Kulturen. Als der jetzige Bio-Begriff entwickelt wurde, war Kupfer ein Mangel-Element. Inzwischen ist Kupfer allerdings in großen Mengen in die Umwelt gelangt und reichert sich dort an, zerstört die Bodenfruchtbarkeit und verändert aquatische Systeme. Kupferpräparate sind extrem aquatoxisch.

Die Untersuchungen der Studierenden des Seminars „Ein neues Bio“ an der Leuphana Universität Lüneburg zeigen zusätzlich, dass es bei keinem existierenden Bio-Siegel (selbst im entlegenen Bhutan nicht), erlaubt ist, menschliche Nährstoffe wieder einzusetzen. Wir Menschen müssen täglich circa zwei Gramm Phosphat über die Nahrung aufnehmen und wieder an die Umwelt abgeben, um damit Zähne, Knochen und die Energiespeicherung im Körper zu ermöglichen. Es gibt jedoch „in der ganzen Welt kein einziges Bio-Siegel, welches es erlaubt, dass menschliche Fäkalien wieder eingesetzt werden. Es gilt nur als Bio, wenn wir nicht dabei sind“, so der Vorsitzende des Hamburger Umweltinstituts, Prof. Michael Braungart.

Wir Menschen bedauern unsere Existenz auf der Welt offenbar so sehr, dass wir denken, es sei nur Bio, wenn die Menschen daran nicht beteiligt sind. Dem liegt ein fatales, völlig einseitiges Rollenverständnis der Menschen auf der Erde zu Grunde: Die Menschen werden oftmals als „Schädlinge“ verstanden, deren „Schädlichkeit“ am besten dadurch minimiert wird, indem sie in möglichst wenig Wechselwirkung mit den anderen Lebewesen treten. Bei einer anderen Sichtweise, in der die Menschen Teil des Ganzen sind, müssen Nährstoffe wieder in biologische Kreisläufe zurückgelangen.

Gleichzeitig muss es möglich sein, die Kontamination mit Mikroplastik zu unterbinden. Auch zu diesem Bereich gibt es keine vernünftigen, messbaren Aussagen im Biolandbau. Die Forschung des Hamburger Umweltinstituts und der Studierenden zeigt einen drastischen Reformbedarf. Themen wie Bodenerosion, Artenvielfalt sowie die Unterstützung von Bodenlebewesen werden bislang nur in ganz geringen Teilbereichen betrachtet.

Die jetzige konventionelle Landwirtschaft ist zerstörerisch für Natur und Umwelt. Aber auch die Bio-Landwirtschaft löst in keiner Weise die Ernährungsprobleme für 10 Milliarden Menschen und verursacht zudem erhebliche Umweltzerstörungen“, erklärt dazu Prof. Michael Braungart.

Was benötigt wird, ist eine Landwirtschaft, die aktiv die Artenvielfalt unterstützt, den Boden aufbaut und die menschlichen Nährstoffe wieder zurückbringt. Das vom unlängst verstorbenen Nobelpreisträger Paul Crutzen ausgerufene Anthropozän bedeutet, dass die Menschen ihre Rolle als wesentliche Biomasse und Verwender von Nährstoffen akzeptieren. Wenn es gelingt, den Boden durch Landwirtschaft aufzubauen, kann dieser einen wesentlichen Beitrag zur Lösung des Klimaproblems leisten. Mehr als die Hälfte des gesamten Kohlenstoffs ist im Boden gespeichert. Darum ist eine Landwirtschaft notwendig, die für 10 Milliarden Menschen unter völlig anderen Bedingungen wirtschaftet.

Die Untersuchung des Hamburger Umweltinstituts und der Studierenden zeigt, wie ein solcher Weg möglich sein kann. Die jetzt beginnende BIOFACH in Nürnberg, die unter erschwerten Corona-Bedingungen digital stattfinden muss, könnte für ein solches Neues Bio ein echtes Diskussionsforum sein.

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03.02.2021 Pressespiegel

Rundfunkbeitrag des Deutschlandfunks in der Sendung "Umwelt und Verbraucher" zur Pressekonferenz des Hamburger Umweltinstituts, u.a. mit dem Vorsitzenden Prof. Michael Braungart, zur Vorstellung der Vivamask. Der Bericht kann hier nachgehört werden: Deutschlandfunk, Umwelt und Verbraucher: Umweltschützer warnen vor Giften und Mikroplastik in Schutzmasken.

 

03.02.2021 Pressemitteilung: Hamburger Umweltinstitut stellt gesunden, biologisch abbaubaren Mund- und Nasenschutz vor

Studentisches Start-Up Unternehmen „Holy Shit.“ entwickelt gemeinsam mit Industriepartnern eine gesundheits- und umweltverträgliche Maske für den Alltagsgebrauch

Untersuchungen des Hamburger Umweltinstituts haben gezeigt, dass bestehende Masken teilweise erhebliche Mengen Schadstoffe abgeben. Dies sind zum einen flüchtige organische Kohlenwasserstoffe oder auch Formaldehyd. Gleichzeitig werden gesundheitsschädliche, vermeintlich antimikrobiell wirkende Zutaten wie Silberchlorid hinzugegeben, welche der Hautflora erheblichen Schaden zufügen können, beziehungsweise die Entsorgung der Masken zusätzlich erschweren. Darüber hinaus können dadurch Resistenzen von Krankheitskeimen entstehen, sodass in der Tat eine neue Entwicklung für Masken notwendig scheint.

Im Rahmen einer digitalen Pressekonferenz stellte deshalb die studentische Initiative Holy Shit. gemeinsam mit dem wissenschaftlichen Leiter des Hamburger Umweltinstituts, Prof. Dr. Michael Braungart, und Fredy Baumeler (Geschäftsführer Climatex AG) am 03.02.2021 eine neuartige speziell entwickelte Maske nach den Anforderungen Cradle to Cradles vor. Fredy Baumeler äußert sich dazu: „In der Tradition von Climatex - was dem Menschen nützt, soll der Natur nicht schaden - haben wir die textiltechnische Entwicklung dieser gesundheits- und umweltverträglichen Maske vorangebracht. Climatex als Anbieter der ersten Cradle to Cradle-Produkte überhaupt, bietet regenerative, gesunde Textiltechnologie bereits seit Mitte der 90 er Jahre.

Die Maske besteht aus einem Material, welches durch seine biologisch abbaubaren und sehr hautverträglichen Eigenschaften als Mund-Nasen-Schutz für den Privatgebrauch besonders geeignet ist. Durch eine Einlage erhält diese, bei 95°C waschbare Maske, FFP2-Qualität. Sie zeichnet sich durch folgende Eigenschaften aus:

- Der Stoff der Maske und deren Ohrenbänder sind zu 100% biologisch abbaubar und stellen somit einen Nährstoff für die Biosphäre dar.
- Das Gewebe der Masken wirkt bakteriostatisch und beugt dadurch einem Bakterienwachstum und damit Geruchsbildung und Hautirritationen und
Ausschlägen effektiv vor.
- Anders als bei herkömmlichen Masken, kommt es beim Tragen der VivaMask nicht zur Entstehung, Aufnahme und Anreicherung von Mikroplastik im menschlichen Organismus.
- Die Masken sind vollständig in technischen Kreisläufen recycelbar.
- Die Maske entspricht den Anforderungen des Cradle to Cradle-Prinzips.

Das Hamburger Umweltinstitut hat lange vor dem Robert-Koch-Institut, als das Robert-Koch-Institut das Tragen von Masken abgelehnt hat, eine Maskenpflicht gefordert und diese Masken sind in der Tat eine wichtige Möglichkeit, die Ausbreitung der Pandemie einzugrenzen. Allerdings wurden die i.d.R. aus Asien stammenden Masken nie unter Umwelt- und Gesundheitsaspekten entwickelt: Es entstehen erhebliche Mengen an Mikroplastik, welches im mikroskopischen Versuch nachgewiesen wurde, sowie gesundheitsschädliche Emissionen.

Darum rät das Hamburger Umweltinstitut, neu erworbene Masken mehrere Stunden auslüften zu lassen, beziehungsweise im Backofen 30 Minuten lang bei 50 °C auszuheizen, sodass ein Großteil der flüchtigen organischen Stoffe dabei ausdünsten kann. Zusätzlich empfiehlt das Institut, keine Masken mit antimikrobiellen Zusätzen, wie etwa Silberchlorid, zu verwenden, da diese erheblich gesundheitsschädlich sind.


(Foto: Monika Griefahn)

Das Mikroplastik, das wir beim Tragen und über die Nahrungskette aufnehmen, reichert sich größtenteils in unserem Körper an und kann dort verheerende Folgen für unseren Organismus haben. Schätzungsweise ein Drittel einer Kreditkarte nehmen wir dadurch inzwischen wöchentlich an Mikroplastik auf.

Laut der Naturschutzorganisation OceansAsia sind durch die Corona-Pandemie bereits über 1,5 Milliarden Masken in unseren Meeren gelandet, dabei bedrohen sie direkt und indirekt die Natur und den Menschen.

Es ist empörend, dass noch immer, gerade im Gesundheitsbereich, zu wenig auf die Verwendung gesundheits- und umweltverträglicher Materialien geachtet wird. Man hätte doch parallel zum Impfstoff für die Allgemeinheit gesunde und biologisch abbaubare Masken entwickeln müssen. Die vorgestellte Maske ist auch ein Beitrag zur Lösung des Abfallproblems“, erklärt dazu der Vorsitzende des Hamburger Umweltinstituts, Prof. Michael Braungart.

Der Stoff der VivaMask ist sehr hautfreundlich und hemmt gleichzeitig das Wachstum von Bakterien. Die Produktion bedarf nur geringer Anbauflächen und Wassermengen, sowie keinerlei Pestizide oder chemischer Düngemittel. Der Stoff der Maske kann etwa eineinhalb Mal so viel Feuchtigkeit aufnehmen wie Baumwolle und erlaubt eine Wäsche bei bis zu 95°C. Die VivaMask stellt somit einen Wegweiser in Form einer echten Alternative zu den problematischen Einwegmasken dar. Für den Vertrieb der Masken werden Holy Shit. und Climatex von ihrem Partner aus der Industrie, der Viotrade GmbH, unterstützt.

Weitere Informationen zu der Maske unter: vivamask.de und vivamask.ch

Ergänzung 09.02.2021 Die Pressemitteilung auf Französisch:

Communiqué de presse (en français)
Hamburger Umweltinstitut: masque facial sain et biodégradable

Les recherches du Hamburger Umweltinstitut ont montré que les masques que nous utilisons contre la pandémie COViD-19 contiennent souvent des substances nocives qui migrent dans le corps humain et l'environnement. Il s'agit d'une part d'hydrocarbures organiques volatils et de formaldéhyde - d'autre part, de substances antimicrobiennes, comme le chlorure d'argent, qui peuvent avoir des effets négatifs sur la flore cutanée humaine et même entraîner une résistance aux germes. Tous ces aspects réduisent également la capacité de disposer correctement des masques - et soulignent la nécessité de développer un nouveau type de masque facial.

La start-up étudiante allemande (nommée avec le nom inhabituel «Holy Shit.») de la Leuphana Universität (Lüneburg) a maintenant en coopération avec des partenaires industriels développé le VivaMask, un type de masque respectueux de l'environnement et sans risque pour la santé.

Le 3 Février, ce masque a été présenté lors d'une conférence de presse virtuelle au public par :
 
• Prof. Dr. Michael Braungart (Directeur scientifique, Hamburger Umweltinstitut),
• Lea Lensky et Victor Büchner (directeurs fondateurs, Holy Shit.) et
• Fredy Baumeler (PDG, Climatex).

Lea Lensky et Victor Büchner ont décrit les spécifications:

• Le masque est doux pour la peau et lavable à 95°C;
• avec son incrustation de filtre, il répond aux normes FFP2;
• le tissu et ses courroies d'oreille sont 100% biodégradables, représentant même un nutriment de la biosphère;
• le tissu a un effet bactériostatique et empêche la croissance bactérienne et donc la formation d'odeurs, d'irritations cutanées et d'éruptions cutanées;
• il ne conduit pas à l'absorption et à l'accumulation de micro-plastiques dans l'organisme humain;
• il est entièrement recyclable et
• le masque est conforme aux exigences des principes Cradle to Cradle.

Alors que l'Institut Robert Koch refusait toujours de recommander le port de masques, le Hamburger Umweltinstitut a exigé que le port de masques soit obligatoire comme moyen important de limiter la propagation de la pandémie. Cependant, nos masques, pour la plupart importés d'Asie, n'ont pas été développés sous des aspects environnementaux et sanitaires, des tests microscopiques ont montré la quantité considérable de micro-plastiques et d'émissions nocives.

Au cas où vous utiliseriez encore ces masques traditionnels, le Hamburger Umweltinstitut recommande de laisser les masques traditionnels nouvellement acquis aérer pendant plusieurs heures ou de les chauffer à 50°C pendant 30 minutes dans un four afin qu'une grande partie des substances organiques volatiles puisse s'évaporer. L'institut recommande également de ne pas utiliser des masques contenant des additifs antimicrobiens - tels que le chlorure d'argent - car ils sont extrêmement nocifs pour la santé.

Les micro-plastiques sont principalement absorbés à travers la chaîne alimentaire, ils s'accumulent dans notre corps et peuvent avoir des effets négatifs importants sur nos organismes (la moyenne des micro-plastiques qu'une personne absorbe chaque semaine équivaut à un tiers d'une carte bancaire). Selon l'ONG de conservation marine OceansAsia, basée à Hong Kong, plus de 1.500 millions de masques en polypropylène sont déjà entrés dans nos océans pendant la pandémie Covid-19. Là, ils devraient nuire pendant des siècles directement et indirectement à la vie marine et aux humains.

Fredy Baumeler «En tenant compte de notre devise traditionnellee, ‘Climatex - ce qui est bon pour l'homme ne doit pas nuire à la nature’ - nous avons contribué au développement textile de ce nouveau masque. En tant que fournisseur des tout premiers produits Cradle to Cradle, nous avons l'expérience d'offrir une technologie textile régénératrice et saine depuis le milieu des années 1990.»

«Il est scandaleux que, surtout dans le secteur de la santé, si peu d'attention soit accordée à l'utilisation de matériaux compatibles avec la santé et l'environnement. On aurait dû développer des masques sains et biodégradables pour le grand public en parallèle du vaccin. Notre masque présenté aujourd'hui une contribution à la résolution du problème des déchets», a ajouté le professeur Michael Braungart.

La production du tissu du VivaMask ne nécessite que de petites superficies de terres arables et d'eau, sans pesticides ni engrais chimiques. Le tissu peut absorber une fois et demie autant d'humidité que le coton. Ce VivaMask est un exemple d'alternative crédible à ces masques unidirectionnels traditionnels non durables.

La distribution des masques est désormais entre les mains de la société Viotrade GmbH (vivamask.de et vivamask.ch).

Contact:

Patrick Meiß
Hamburger Umweltinstitut e.V.
Trostbrücke 4
D - 20457 Hamburg
Tél: +49 (0)40 - 439 20 91
Courriel: hui@hamburger-umweltinst.org

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15.01.2021 Artikel-Veröffentlichung: Mehr Verbraucherschutz bei Inhaltsstoffen in Lebensmitteln: Kein leuchtendes Vorbild

Ein warmer Sommerabend, ein lauschiges Plätzchen auf der Terrasse und dazu ein herrlich kühles Getränk – wer denkt da nicht gleich an einen der beliebtesten Cocktails der Deutschen: den Aperol Spritz, lecker auf Eis mit einer Zitronen- oder Orangenscheibe serviert.
Aber was macht diesen Aperitif aus Prosecco, Mineralwasser, Eis und Aperol zu einem echten Cocktail-Klassiker? Ist es der typische Geschmack des Gemisches oder eher seine glänzende orangene Farbe, die so viele Menschen begeistert?
Schaut man etwas genauer hin und interessiert sich für die Inhaltsstoffe dieses Cocktails, wird man schnell enttäuscht, denn der Hersteller lässt den Verbraucher darüber weitestgehend im Dunkeln. Dabei ist mehr Aufklärung und Verbraucherschutz dringend geboten, denn es handelt sich um sogenannte Azofarbstoffe, die auch gesundheitliche Schäden hervorrufen können.

Aus diesem Grund hat sich das Hamburger Umweltinstitut eingehender mit der Frage von Transparenz und Gesundheitsverträglichkeit von Inhaltsstoffen in Lebensmitteln wie Aperol Spritz befasst.

Der Artikel wurde in der aktuellen Ausgabe 01-2020 des Wissenschafts E-Journals Wissenswert publiziert. Die gesamte Ausgabe Wissenswert 01-2020 (HUI-Artikel auf S. 26-28) kann hier kostenlos gelesen werden.

(Allgemeine Informationen zu Wissenswert gibt es HIER.)

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08.07.2020 Medien: WDR Markt: Desinfektionsmittel – wie schädlich sind sie tatsächlich?

Der Vorsitzende des Hamburger Umweltinstituts, Prof. Michael Braungart, stand in dem WDR-Verbrauchermagazin "Markt" zum Thema Desinfektionsmittel Rede und Antwort.

Inhaltsangabe des WDR: Im Büro, in Geschäften oder in der Handtasche: Desinfektionsmittel sind unsere neuen täglichen Begleiter. Seit Beginn der Corona-Krise nutzen wir die virenkillenden Gels geradezu inflationär. Vielfach unnötig, weil eine gründliche Seifenreinigung ausreicht. Schlimmer noch: Manche Inhaltstoffe der Desinfektionsmittel können bei übermäßiger Anwendung die Atemwege schädigen oder sogar Krebs erregen. Markt geht der Sache auf den Grund.

Der ganze Videobeitrag ist hier in der Mediathek des WDR verfügbar.

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Hamburg, 18. Mai 2020

Pressemitteilung: Maskenmüll: Masken und Schutzkleidung – ein riesiges Abfallproblem

Seit Ende April ist in Deutschland die Maskenpflicht Teil der Corona-
Bekämpfungsstrategie. Weil Maskenträger sich seltener ins Gesicht fassen und zudem
die Ausbreitung der Viren durch Mund- und Nasenschutz gehemmt werden kann,
stellen sie einen möglichen Beitrag zur Seuchenbekämpfung dar. Ein Aspekt wird
jedoch bislang völlig außer Acht gelassen.

Zu Recht wurde bei Wegwerfbechern für Kaffee und Tee auf das entstehende
Müllproblem aufmerksam gemacht. Die Müllmenge durch Atemschutzmasken wird
jedoch noch deutlich größer. Der vom Wirtschaftsministerium errechnete Bedarf von bis
zu 12 Milliarden Atemschutzmasken pro Jahr sowie der größere Verbrauch an
Einmalhandschuhen, weiterer Schutzkleidung usw. sorgt für ein Abfallaufkommen von
etwa 1,1 Millionen Tonnen pro Jahr. Das wären etwa 7 Prozent der gesamten
Hausmüllmenge Deutschlands, die zusätzlich entstehen würden.
Dabei wäre das Problem durchaus lösbar, wenn seitens der Hersteller nur Materialien
eingesetzt würden, die nach der Verwendung in biologische Kreisläufe zurückgehen
können. Durch ihre Abbaubarkeit könnten die Masken nach ihrer Nutzung sogar
nützlich für die Umwelt sein, ohne dabei an Schutzwirkung einzubüßen. So könnte
beispielsweise, nach entsprechender Aufbereitung, Pflanzvlies entstehen, das den
Pestizid- und Bewässerungseinsatz senkt.

Vielfach werden in den Masken auch gefährliche vermeintlich antimikrobielle
Substanzen wie bspw. Silberverbindungen eingesetzt, die keine nachgewiesene
Wirkung gegen Corona-Viren besitzen und zusätzliche Resistenzen von anderen
Krankheitskeimen fördern können. Durch viele waschbare Masken (u.a. aus Polyester)
ergibt sich zudem ein Problem durch das Einatmen von Mikroplastikabrieb.

Die Corona-Krise jetzt mit einem zusätzlich verschärften Abfallproblem zu verbinden, ist
kurzsichtig. Stattdessen sind entsprechende Umwelt- und Qualitätsauflagen an
Atemschutzmasken zu stellen. Andernfalls ist zu befürchten, dass wieder einmal
Wirtschaft, Gesundheit und Umwelt gegeneinander ausgespielt werden.

Zitat: „Es kann nicht sein, dass die Atemschutzmasken jetzt ein gigantisches
Müllproblem verursachen, wo es doch möglich ist, perfekt biologisch abbaubare
Materialien zu verwenden, die dann in der Tat in biologische Kreisläufe eingehen
können. Dies zeigt eine erhebliche Kurzsichtigkeit und Doppelbödigkeit bisheriger
Umwelt- und Gesundheitspolitik. Es darf nicht sein, dass man den Planeten krank
macht, um gesund bleiben zu wollen.“, sagt dazu Prof. Dr. Michael Braungart, Leiter
des Hamburger Umweltinstituts.

Kontakt und weitere Informationen:
Hamburger Umweltinstitut e.V.
Patrick Meiß
Trostbrücke 4
20457 Hamburg
Tel: +49 (0)40 - 439 20 91
E-Mail: hui@hamburger-umweltinst.org

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Hamburg, 27. April 2020

Pressemitteilung: Hamburger Umweltinstitut warnt vor Gesundheitsgefahren durch Desinfektionsmittel

Im Rahmen der Corona-Krise werden Desinfektionsmittel in großen Mengen eingesetzt, nicht nur zur Handdesinfektion, sondern auch zur Desinfektion von Gegenständen und Böden. Ganze Straßenzüge werden mit Desinfektionsmitteln behandelt. Dabei sind jedoch eine Reihe von Aspekten zu berücksichtigen, die vielleicht im Eifer des Kampfes gegen die Pandemie zu wenig beachtet werden.

Zum einen sind viele der Inhaltsstoffe von Desinfektionsmitteln gesundheitsschädlich (bspw. krebserregend, sensibilisierend, allergieauslösend, lungen-, leber- und nervenschädigend). Dies gilt beim Einatmen des Nebels aus Sprühflaschen und bei der Anwendung auf der Haut. Zum Beispiel ist das verwendete Isopropanol weitaus giftiger als üblicher Trinkalkohol und auch Aldehyde und Ketone, genauso wie zusätzliche Prozess-Chemikalien und Duftstoffe, weisen ein erhebliches Gesundheitsrisiko auf. Zum anderen ergibt sich das Problem, dass durch die häufige Verwendung dieser fettlösenden Mittel die Hautflora geschädigt wird, sich Resistenzen der entsprechenden Keime bilden können und Dermatosen möglich sind. Durch die ausgetrocknete Haut besteht ein viel höheres Risiko, sich die schmerzenden Hände ins Gesicht zu reiben und auf diese Weise noch mehr Keime zu übertragen. Eine entsprechende Feuchtigkeitscreme kann das Problem zusätzlich verschärfen, da die fetthaltige Außenseite des Coronavirus dadurch geradezu aktiv festgehalten wird.

Zusätzlich warnt das Hamburger Umweltinstitut vor der Gefährlichkeit und dem Risiko durch Verschlucken und durch Augenkontakt. Die meisten handelsüblichen Desinfektionsmittel enthalten keinerlei diesbezüglicher Warnhinweise. Abgesehen davon sind die Desinfektionsmittel, im Verhältnis zu ihrem tatsächlichen Wert, aktuell drastisch überteuert.

Die Warnung des Hamburger Umweltinstituts bezieht sich dabei ausschließlich auf die übertriebene Verwendung von Desinfektionsmitteln außerhalb des eigentlichen medizinischen Bereichs. Im medizinischen Bereich überwiegen die Vorteile von Desinfektionsmitteln. Allerdings werden viele Desinfektionsmittel angeboten, die keine antivirale Wirkung haben können, da die Einwirkzeit bis zu 15 Minuten beträgt. So dass sie gegen Viren nur mehr als bedingt geeignet sind.

Was ist also zu tun? Es gibt durchaus gute Gründe im medizinischen Bereich, zum Beispiel in Krankenstationen oder Arztpraxen, chemische Desinfektionsmittel zu verwenden. Diese jetzt aber allgemein in Kindergärten, Schulen, Arbeitsstätten oder gar zu Hause anzuwenden, ist unverantwortlich und grob fahrlässig. Da diese organischen Lösungsmittel gleichzeitig die Atemwege schädigen und vor allem bei Menschen mit Vorerkrankungen wie Asthma zusätzliche Schäden verursachen können, besteht möglicherweise ein erhöhtes Risiko für einen tödlichen Verlauf einer Infektion mit Corona-Viren. Ein sorgfältiges Händewaschen mit Kernseife, Olivenseife oder auch einer anderen haushaltsüblichen Handseife reicht völlig aus, um mögliche Infektionsrisiken über die Hände oder durch Handkontakt auszuschließen. Dies sollte aktiv in den entsprechen Bildungseinrichtungen vermittelt werden, anstatt liter- und kanisterweise chemische Lösungsmittel als vermeintlich sichere Lösung anzubieten.

Zitat: „Der Umgang mit Desinfektionsmitteln ist ein Umgang mit gefährlichen chemischen Lösungsmitteln mit erheblichem Gesundheitsgefährdungspotenzial. Die Verwendung von chemischen Desinfektionsmitteln sollte auf den unmittelbaren medizinischen Bereich begrenzt werden, auch um die Bildung von Resistenzen zu verhindern. Eine rissige, trockene Haut kann zusätzlich durch Entzündungen Schmerzen verursachen und ein Gesundheitsrisiko für die Übertragung von Infektionserkrankungen darstellen.“, stellt dazu der Vorsitzende des Hamburger Umweltinstituts, Prof. Dr. Michael Braungart, in diesem Beitrag fest.

Kontakt und weitere Informationen:
Hamburger Umweltinstitut e.V.
Trostbrücke 4
20457 Hamburg
Tel: +49 (0)40 - 439 20 91
E-Mail: hui@hamburger-umweltinst.org

 

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Aktuelles/Termine:

Vortrag & Diskussion: „Ich zuerst!“ von Heike Leitschuh im Museum der Zukunft in Lüneburg

09.03.2020, 19.30Uhr im Museum der Zukunft, Papenstraße 15, 21335 Lüneburg

FREIER EINTRITT!

Heike Leitschuh wird am 09. März 2020 einen Vortrag (mit anschließender Diskussion) zu Ihrem Buch „Ich zuerst. Eine Gesellschaft auf dem Ego-Trip“ im Museum der Zukunft in Lüneburg halten. Beginn der Veranstaltung ist um 19.30 Uhr.

Die Ichlinge kommen – Bedroht das ständige Konkurrenzdenken unsere Gesellschaft?

Neoliberales Gedankengut schadet unserer Gesellschaft und lässt die Solidarität und den Respekt der Menschen untereinander schwinden. Immer mehr Menschen denken nur noch an sich, an die Karriere und die eigenen Bedürfnisse und behandeln ihre Mitmenschen deshalb mitunter wie den letzten Dreck. In der Politik und den Medien wird das Problem vernachlässigt und in seiner ganzen Tragweite bislang überhaupt nicht erkannt. Höchste Zeit also, umzudenken und gegenzusteuern, sowohl mit einer anderen Politik, als auch bei jedem Einzelnen von uns. Denn keiner will in einem Land leben, in dem jeder nur noch sich selbst der Nächste ist und nur noch das zählt, was sich rechnet.

Das Hamburger Umweltinstitut und das Museum der Zukunft freuen sich auf einen anregenden Vortrag mit anschließender Diskussion und lädt Sie und euch herzlich dazu ein, daran teilzunehmen.

Weitere Infos gibt es hier.